Kopfleiste Neu Feb17


 

Britz Neulandsiedlung

Britz1SiedlungNeuland Prinzipkarte

Der Spaziergang beginnt

Buckower Damm gegenüber dem Haupteingang des Britzer Gartens und führt durch die Siedlung "Neuland". Sie wurde 1932 / 1933 als "Vorstädtische Kleinsiedlung für Erwerbslose" vom Siedlungsträger "Wohnungsfürsorgegesellschaft Berlin m.b.H. " angelegt.

1931 wurde durch die „Dritte Verordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zur Bekämpfung von politischen Ausschreitungen“ (Notverordnung) vom 6. Oktober und der "Richtlinie zur vorstädtischen Kleinsiedlung und Bereitstellung von Kleingärten für Erwerbslose" der Reichsregierung die Lösung der Probleme zur Ernährungsfrage und Wohnraumbeschaffung für Erwerbslose erleichtert. Die bisherigen Stadtrandsiedlungen, die aufgrund ihrer dezentralen Planung auch als "wilde Siedlungen" bezeichnet wurden, hießen nun "vorstädtische Kleinsiedlungen". Das notwendige Land wurde als Gemeindepachtland zur Verfügung gestellt. Diese Siedlungen für sozial Bedürftige, wie z.B. langjährige Erwerbslose, wurden über einen Bauträger, der die Erschließungs-, Planungs- und Ausführungsarbeiten organisierte, inform vom Selbsthilfesiedlungen errichtet. In der Britzer Siedlung war es die Gehag (Gemeinnützige Heimstätten-Spar- und Bau-Aktien-Gesellschaft). Die Bewerber für eine solche Siedlerstelle mussten "siedlerisch geeignet sein", wie es in der Richtline wörtlich hieß. Neben landwirtschaftlichen Vorkenntnissen sollten sie auch handwerkliche Fähigkeiten besitzen.

Zuerst geht es den Hochspannungsweg entlang bis zum Dachdeckerweg.

Der Hochspannungsweg ist eine asphaltierte Promenade mit Spielplätzen, Bänken und vielen Sträuchern und Bäumen. Er hat seinen Namen von der "GOLPA-Leitung". Einer Hochspannungsleitung zwischen dem Braunkohlenwerk Golpa-Jeßnitz A.G. bei Bitterfeld und Berlin, die es von 1917 bis 1949 gab. Sie war damals die wichtigste Energiequelle für die wachsende Industriestadt Berlin. Ein Teil der ehemaligen Trasse in Berlin wurde als Straße angelegt (Hochspannungsweg)

Hier biegt man links ein. Viele der Doppelhäuser sind noch unverändert. Dunkel abgesetzten Holzgiebel, weiße Fassade, eine Gaube im ausgebautem Dach, helle Fensterläden, Nutzgarten und einfacher kleiner Holzzaun sind die charakteristischen Merkmale der Siedlung. Britz 1 Siedlung Neuland Musikbunker Steintragerweg 5

Die Straßen sind nach Bauberufen benannt worden. Die Eigenleistung, damals "Selbsthilfeleistung" bezeichnet, der Siedler beim Bau ihrer Häuser war ein Teil der Finanzierung der Siedlung. Das gesamte Quartier heißt deshalb "Handwerkerviertel".

Von vier angebotenen Haustypen solcher Siedlungen ist in der Siedlung "Neuland" der "Typ 3" im I. Bauabschnitt (daher die Bezeichnung "Neuland I") gebaut worden:
Das ist ein Winkeltyp mit zwei Achsen und einem Anbau in der Mittelachse für Stall, Vorratsraum und Abort und einer später möglichen Verlängerung des Anbaus. Im II. Bauabschnitt ("Neuland II") wurde ein ähnlicher Haustyp verwendet. Hier lagen die Stallanbauten aber an den beiden Außenachsen. Wichtige Planungsüberlegungen waren die strenge räumliche Teilung zwischen Arbeiten und Schlafen, Essen und Kochen. Wasser wurde durch Schwengelpumpen geholt. Es gabkeinen Anschluss an die Abwasserkanalisation.

Die Grundstücke sind landeseigen. Einer geplanten Veräußerung konnte entgegengewirkt und die Erbbauheimstättenverträge bis zum Jahr 2072 verlängert werden.

Beim Erbbaurecht ist die Gegenleistung für das Zurverfügungstellen des Grundstücks und der Errichtung eines Bauwerkes darauf der Erbbauzins als eine im Grundbuch eingetragene Reallast.

Der Dachdeckerweg führt aus der Siedlung "Neuland" und endet am Buckower Damm. Gegenüber,auf der anderen Straßenseite, steht auf einem kleinem Hügel die "Stechhansche Mühle". Sie wurde 1865 gebaut und noch heute wird hier Mehl gemahlen. 1984 restauriert, wird sie von dem 2017 gegründeten Verein "Britzer Mühle e.V." als technischen Denkmals erhalten.

Der Spaziergang geht rechts weiter den Buckower Damm entlang. Auffallend gestaltete moderne Viergeschosser der "Berlinovo Immobilien Gesellschaft mbH" (vorher: ARWOBAU) sind ein Beispiel für moderne "Kunst am Bau". Hier kann man es Baukunst nennen: illusionistische Gestaltung an einem Plattenbau - ein gewagtes, aber gelungenes Unternehmen. Ob ganz nah oder von der anderen Straßenseite betrachtet, man entdeckt immer wieder neue Details. Keine "langweilige" Fassadengestaltung.

Am Zimmererweg geht es wieder zurück in die Siedlung "Neuland". Kurz vor dem Einbiegen in die Siedlung fallen mehrere ungewöhnliche Betonelemente auf, die zu einem Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg gehörten. Heute als Wohnhaus genutzt, ist er nur bei genauem Hinsehen zu erkennen. Die senkrechten Schlitze gibt es auch bei anderen Luftschutzbunkern.

Gleich um die Ecke im Zimmererweg steht rechts ein kleines Haus, das früher als Vereinshaus diente.

Auffallend auf der ganzen linken Straßenseite des Zimmererwegs ist die Silouette der hohen Laubbäume hinter den flachen Häusern. Die Linden und Ahornbäume gehören zur Bahnanlage der Neukölln-Mittenwalder-Eisenbahn. In der Siedlung selbst stehen nur niedrige, fast ausschließlich Nutzobstbäume, selten einen Solitärbaum.

Wieder am Hochspanungsweg angekommen geht es rechts zurück Richtung Buckower Damm, jedoch nur bis zum Steinträgerweg. Hier wird rechts eingebogen und bis zum Siedlungsende kann man bequem den asphalierten Weg zwischen den Häusern spazierengehen. Dann ändert sich die Bebauung. Das Haus auf der rechten Seite des Steinträgerwegs ist ebenfalls ein ehemaliger, baugleicher Hochbunker wie jener im Zimmererweg. Es ist der 2000 gegründete "Musikbunker-Neukoelln". Als Luftschutzbunker ist das Bauwerk nicht mehr zu erkennen.

Am Buckower Damm wieder angekommen geht es links zurück zum Ausganspunkt und damit ist diese Runde "um`s Karree" beendet.