Festivalleitung: Thorsten Schlenger, Mina Mahouti und Sharmila Sharma,

Foto: Sina Gienicke

 

Nun sind es nur noch wenige Wochen bis zur diesjährigen Ausgabe des Kunstfestivals „48 Stunden Neukölln“ mit dem Jahresthema „Luft“. Wenn eines derzeit sicher ist, dann das: Auch das Festival 2021 wird unter Coronabedingungen stattfinden, das bedeutet, mit möglichst wenigen Kontakten. Einen Vorteil gibt es allerdings gegenüber dem Vorjahr. Diesmal war es lange vorher absehbar und die Künstler*innen wurden schon zu Beginn der Bewerbungsphase gebeten, Formate zu entwickeln, die diesen Umstand berücksichtigen. Zum Stand der Dinge habe ich Mina Mahouti und Sharmila Sharma (Festivalleitung) befragt.

 

Lassen sich bei den eingereichten Bewerbungen Trends ablesen? Sind viele digitale Formate eingereicht worden?

 

Sharmila Sharma: Ich finde besonders spannend, dass einerseits bewusst künstlerische Positionen erarbeitet werden, die sich in der analogen Welt verankern und regelrecht eine Gegenposition zur schnelllebigen digitalen Welt liefern und dem*der Betrachter*in ein zu Ruhe kommen ermöglichen sowie ein tiefgründiges Auseinandersetzen mit der Position herausfordern. Andererseits sind auch vermehrt hybride und technisch-aufwendige Beiträge im diesjährigen Festival vertreten. Außerdem nutzen viele Künstler*innen die digitalen Möglichkeiten um zusätzliche Betrachtungsebenen und Erfahrungsmöglichkeiten zuzulassen.

 

Wie steht es mit Anzahl der Projekte im Vergleich zu den Vorjahren?

Sharmila: Die Pandemie macht sich weiterhin bemerkbar, wobei wir sehr froh sind dieses Jahr wieder Publikumsverkehr zuzulassen. Wir können auf ein dezentrales Programm mit 250 Beiträgen verweisen – ein wichtiges Zeichen für die Kunst und Kultur.

 

Zeichnet sich eventuell ab, dass für manche Künstler*innen das Experimentieren mit digitalen Formaten nicht mehr in erster Linie als „Notlösung“ gesehen, sondern generell als eine neue Möglichkeit des Kunstschaffens entdeckt wird?

 

Sharmila: Generell ist vor allem im Jahr 2021 zu beobachten, dass digitale Kunst einen neuen Stellenwert bekommt und sich als Kunstsparte etabliert. Auf spielerische Art und Weise mit viel Kreativität und Mut wird sich neuen Medien gestellt und somit neue Möglichkeiten geschaffen.

 

Es wird auch 2021 wieder eine zentrale Ausstellung geben. Diesmal im Kesselhaus der alten Kindl Brauerei. Konntet Ihr von den Erfahrungen aus dem Vorjahr profitieren und darauf aufbauen? Oder habt Ihr für dieses Jahr ganz neue Formate entwickelt?

 

Sharmila: Die zentrale Ausstellung “O” wird mit Publikumsverkehr begehbar sein, dennoch fließen Erfahrungen aus dem Vorjahr ein. Ein Leitsystem zur Wegeführung wurde kuratorisch eingeflochten, denn ein freies Bewegen im Raum ist eingeschränkt, sodass die Arbeiten für die Besucher*innen nacheinander, aber dennoch verknüpft erfahrbar gemacht werden. Außerdem transzendiert die zentrale Ausstellung ins Digitale und bringt spielerisch neue Elemente der einzelnen künstlerischen Positionen hervor, die so in der analogen Ausstellung nicht erfahren werden können – ein digitales Vorbeischauen lohnt sich!

 

Mina Mahouti: Wir freuen uns sehr darüber, dass wir höchstwahrscheinlich die Türen der Ausstellungen öffnen können. Laut den aktuellen Bestimmungen können wir allerdings nur für eine limitierte Anzahl an Menschen die zentrale Ausstellung erlebbar machen. In der virtuellen Ebene können wir auf den Erfahrungen aufbauen, die wir im letzten Jahr mit der Digitalisierung gemacht haben und können durch den hybriden Ansatz das Festival inklusiver und zugänglicher gestalten.

 

Was könnt Ihr an dieser Stelle schon verraten? Worauf können sich die Festival-“Besucher-*innen“ besonders freuen?

 

Sharmila: Die Festival-Besucher*innen können sich sehr darauf freuen, die Interventionen und Aktionen im öffentlichen Raum zu erkunden und zu sehen wie diese den öffentlich Raum umdeuten und das Alltägliche mit den unterschiedlichsten Medien auf den Kopf stellen.

Insgesamt gibt es an 150 Orten etwas zu entdecken, es lohnt sich auch nach zahlreichen künstlerischen Experimenten und Ausstellungen in den Schaufenstern Ausschau zu halten. Das Dezentrale lädt dazu ein Neukölln aus anderen Blickwinkeln zu entdecken, den Status Quo zu hinterfragen und lokale Strukturen neu zu denken. Die zentrale Ausstellung im Kesselhaus des KINDL, sowie das VOLLGUT Areal laden dazu ein, sich Impulse zu holen und durch irritierende Momente im Innen- und Außenraum neue Narrative zu stricken. Ich hoffe die Besucher*innen kommen gestärkt und mit viel Hoffnung für neue Zeiten aus dem Festivalwochenende heraus.

 

Mina: Wir werden das Festivalgebiet weiter ausweiten und als Veranstaltungsort den Nachbarschaftscampus Dammweg bespielen. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Gartenbauschule im südlichen Neukölln, welche lange Zeit leer stand. Zum Festival wird in den Gewächshäusern und auf einer alten Obstbaumwiese erstmals ein Kunst-Kultur-Programm stattfinden. Der Dammweg ist ein Projekt des Kulturnetzwerk Neukölln e.V. und wird von der Berlin Mondiale koordiniert. Dort entsteht gemeinsam mit den Nachbar*innen ein neu gedachter und gelebter Sozialraum.

 

Vielen Dank und ein schönes Festivalwochende!